Die Geschichte der Schwarzwalduhr

Die Geschichte der Uhrenindustrie im Schwarzwald

Aus dem Buch "In die Neue Zeit"

Glas- und Schneflereien (Schnitt und Drehwahren aus Holz) wurden auf dem Schwarzwald seit Jahrhunderten gefertigt und weit hinaus in die Welt getragen auf dem Rücken der Hausierer; dazu kamen am Anfang des 18. Jahrhunderts noch Strohhüte und Blechlöffel. Ein Glasträger brachte in den achtziger Jahren der 17. Jahrhunderts eine hölzerne Stundenuhr, die er von einem böhmischen Glashändler gekauft hatte, von seiner Handelsreise mit nach Hause. Diese Uhr bildete den Ausgangspunkt einer Industrie, wie sie in ihrer Art einzig dasteht: die Fabrikation von Wand- und Standuhren. Im Mittelpunkt der Gebirges, in einem Umfang von etwa 12 Quadratmeilen, hauptsächlich in den Ämtern Neustadt, Triberg und Villingen, dann auch noch im angrenzenden Württemberg, ist die Industrie zur Entwicklung gekommen. Die ursprüngliche Holzuhr mit Gewicht und 3 Rädern sowie jochförmigen Waagebalken, die sogenannte Unruhe als Regulator, machte 1740 der Pendeluhr Platz, anfänglich mit kurzem Pendel vor dem Zifferblatt, später mit längerem Pendel hinter dem Uhrwerk. Die anfangs nur 12 Stunden laufende Uhr ging dann über in solche, die alle 24 Stunden aufgezogen werden mußte, die auch Schlagwerk enthielt, Figuren, die sich drehten, Uhren, welche Datum, Lauf des Mondes etc. anzeigten. Zwischen 1770 und 1780 gab es bereits 8 Tage-Uhren, zuvor wurden auch schon die hölzernen Triebe durch Metallräder ersetzt. Die großen Uhren wurden zierlich hergestellt; um 1790 fing man an, niedliche Uhren, nach dem Erfinder "Jockele-Uhren" genannt, in den Verkehr zu bringen; mittelgroße Uhren wurden ebenso nach dem Urheber als "Schotten-Uhren" bezeichnet. Das Geschäft schritt voran, auch Rückläufe fanden statt, je nach Zeitverhältnissen und dem Fortschritt an anderen Orten, wodurch der eine zeitlang unverändert bleibenden Konstruktion und Form der Uhr starke Konkurrenz von anderen Ländern gemacht wurde. Im Jahre 1877 fand die Gründung einer Uhrmacherschule und gleichzeitig auch die einer Schnitzereischule statt.

ie einfache, wenig stilvolle ursprüngliche Schwarzwalduhr ist durch die verschiedenen Bemühungen in ein wahres Kunstwerk in äußerer Form und innerer Konstruktion übergegangen, welches den höchsten Ansprüchen Genüge leistet. Im großen Ganzen bildet das Gewicht noch den Trieb, daneben heben sich jedoch auch reichlich Uhren mit Zugfeder gebildet. In der äußeren Form unterscheidet man Schilduhren und Gehäuseuhren. Das Schild war ursprünglich ein mit gedruckten und bemaltem Papier überzogenes Brettchen; dann wurde ein Holzschild lackiert, weiterhin Porzellan und Blechschilde verwendet, endlich geschnitzte Schilde. Die Gehäuse (Uhrenkästen) wurden ausgebildet einfach mit sogenannter Bronzeeinlage, poliert als sogenannte Säulenkasten, Rahmenkasten; dann solche mit gesägter Arbeit, besonders bekannt in Form des Bahnhäuschens, endlich die geschnitzten Uhrenkästen. Standuhren mit metallenem, vergoldetem Gehäuse (französische Pendulen) wurden lange Zeit in einer Fabrik in Lenzkirch in Tausenden von Exemplaren jährlich hergestellt; der Geschmack daran hat sich Ende des 19. Jh. verloren, sie wurden seit 1890 nicht mehr gefertigt. Uhren mit Marmorgehäuse wurden nie gemacht.

n der Konstruktion unterscheidet man Uhren mit und ohne Schlagwerk, 12 Stund-, 24 Stund-, 8 Tag-, 14 Tag- und Jahres-Uhren; ferner Regulatoren in schmalem, langem, das Pendel mit einschließenden Kasten Stockuhren (Uhren mit Zugfeder) nach schwarzwälder, französischer, englischer und amerikanischer Bauart, Nippuhren (kleinste Zugfederuhr), Reisewecker, Schiffsuhren, Amerikaner-Uhren - die billigste Art Uhren mit aus Messingblech gestanzten Rädern. Dazu kommen weiterhin Figurenuhren, meist in Verbindung mit einem Spielwerk, als Kuckucksuhren, Wachteluhren, Trompeteruhren.

rsprünglich machte jeder Uhrmacher das Ganze der Uhr allein; allmählich trennten sich einzelne Zweige ab, schon am Anfang des Jahrhunderts gab es besondere Verfertiger von Uhrengestellen, von Uhrenschilden oder Zifferblättern, von Uhrenglocken und -Rädern, von Uhrenwerkzeugen; dazu kamen weiter Gießer, Kettenmacher, Tonfedermacher, Schnitzler, Kastenverzierer, endlich solche, die die Werke zusammensetzten. Lange Zeit blieb die Herstellung der Uhr Hausindustrie; seit den fünfziger Jahren (Erste Fabrik für massive Uhren [Wellen und Treibe aus Stahl, das Übrige aus Messing] in Lenzkirch 1851) beginnt nun die Fabrikation als Großindustrie sich zu entwickeln, und über kurz oder lang wird die Hausindustrie wohl verschwunden sein.

m Jahre 1847 zählte man 1167 selbständige Uhrmacher mit 1935 Arbeitern (die Uhr wurde damals noch als "Holzuhr" [das Räderwerk in einem Holzgestell] bezeichnet), solche gibt es noch heutzutage (=1897); die meisten Uhren sind jetzt jedoch ganz aus Metall; ferner 16 Spieluhrenmacher mit 42 Arbeitern; außerdem gab es noch Verfertiger von Uhrenbestandteilen in der Zahl von 385 Meistern und 589 Arbeitern. Darnach ergibt sich die Gesamtzahl von mit der Herstellung der Uhren beschäftigten Arbeitern zu 4134 Personen, einschließlich Meistern, denn diese waren genau so wie die Arbeiter an den Werkstücken tätig. Im Jahre 1853 gab es bloß 1 Fabrik mit 21 Arbeitern. Auch im Jahre 1861 wird die Uhrenindustrie noch zum Kleingewerbe gerechnet; es wurden gezählt 1713 Meister mit 2312 Arbeitern, in Summe 4025 Personen, was auf einen kleinen Rückgang gegen 1847 hindeutet. Gegenwärtig (=1897) bestehen 34 als Fabriken zu bezeichnende Geschäfte mit 2770 Arbeitern. Von diesen 34 Anlagen kommen auf das Amt Villingen 16 und zwar 6 auf Villingen (430 Arbeiter), 4 auf St. Georgen (351), je 1 auf Mönchweiler, Niedereschach, Vöhrenbach (zusammen 274); ferner 5 auf das Amt Neustadt und zwar 1 auf Lenzkirch (368 Arbeiter, die größte Fabrik des Schwarzwaldes), 2 auf Neustadt, je 1 auf Schwärzenbach und Unterlenzkirch mit zusammen 37 Arbeitern, endlich 13 auf das Amt Triberg und zwar 5 auf Furtwangen mit 693 Arbeitern, 3 auf Triberg mit 377 (die eine Fabrik mit 260 Arbeitern zugleich Metallwaren und Eisengießerei), 2 auf Schonach, je 1 auf Hornberg und Schönwald, mit zusammen 227 Arbeitern. - Kleinere, zur Hausindustrie reduzierte Geschäfte welche selbständig arbeiten, d.h. ihre Fabrikate fertig in den Handel bringen, sind etwa 45 vorhanden mit 800 bis 1200 Arbeitern; ferner noch etwa 130 Geschäfte von Uhren und Uhrenbestandteilen, welche ihre Erzeugnisse an die Uhrenfabriken und Hausuhrmacher absetzen mit einer Arbeiterzahl von 1400 bis 1800 (nach Privatmitteilungen). Man kann im Ganzen als in der Uhrenindustrie tätig 5 bis 6 Tausend Personen zur Zeit annehmen.

ie Herstellung von Taschenuhren wurde auf dem Schwarzwald versucht, aber wieder aufgegeben. Turmuhren werden in Schonach und in Dinglingen bei Lahr gefertigt von zusammen 15 Arbeitern.

Text aus einem Buch über badische Industrie von 1897

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